Fundulopanchax sjoestedti
(LOENNBERG, 1895)

Untergattung Fundulopanchax, Artengruppe Fp. sjoestedti

Das Hauptverbreitungsgebiet von Fp. sjoestedti liegt in Südnigeria.
 Aus Westkamerun ist nur ein Fundort bei Loe bekannt.

Fp. sjoestedti “Loe”

Mit rund 10 cm. Länge sind Fp. sjoestedti und seine Verwandten wahre
Riesen unter den Westafrikanischen Killifischen.
Obwohl diese Arten die feuchten Küstengebiete bewohnen sind sie Bewohner
periodisch austrocknender Gewässer, so dass ihr Brutverhalten an diesen
Umstand angepasst ist. Die Entwicklungszeit der Eier dauert sechs bis acht
Wochen oder länger. Ich möchte raten die Torfansätze trocken zu legen.
 Der kräftige Körperbau verlangt ein geräumiges Zuchtbecken mit einer
Schicht Torfmull als Bodenbelag. Für die Weibchen müssen ausreichende
Verstecke zur Verfügung stehen, da die Männchen sehr Aggressiv
werden können. Aus diesem Grund empfiehlt es sich mehrere Weibchen
zu einem Männchen zu setzen, so wird dessen Aufmerksamkeit verteilt.

Die nigerianischen Fänger liefern ihre Fänge an die Fangstationen
im Nigerdelta. Daher kommen Bezeichnungen wie “Warri” oder
“Nigerdelta”. Auch als rot und blau bezeichnete Stämme sind im
Hobby verbreitet. Diese Stämme sind keineswegs minderwertig,
sondern schön und robust, durch ihre jahrelange Zucht sind sie
besonders gut angepasst.

Der folgende Abschnitt ist Teil des Artikels
Fundulopanchax sjoestedti -
Ein Riese unter den westafrikanischen Killifischen”
erschienen in
Aquaristik aktuell 3/2002

Die Zucht

         Werner Eigelshofen

“Soll die Zucht dieser Prachtkärpflinge versucht werden, ist es von
Vorteil, wenn schon vorher Erfahrungen mit leichter zu pflegenden
bodenlaichenden Killis gemacht wurden. Der Liebhaber muss sich
darüber im klaren sein, dass wir es hier mit einem Killifisch zu tun
haben, dessen annueller Charakter sehr stark ausgeprägt ist.
Das heißt: Der Laich muss unbedingt eine Trockenperiode von
mindestens sechs bis acht Wochen durchlaufen um zur Entwicklung
zu kommen. Nach hinten sind fast keine Grenzen gesetzt.
Gerade im Zuchtansatz ist leider die schon erwähnte Aggressivität
der Männchen die Regel. Häufiges beobachten der Zuchtfische
ist angebracht, um sofort nicht mehr laichbereite Weibchen
aus dem Zuchtbecken entfernen zu können. Es kommt durchaus vor,
dass ausgelaichte Weibchen vom Männchen bis zur Erschöpfung
gejagt und getötet werden. Je kleiner der Zuchtbehälter, umso größer ist
die Gefahr für die Weibchen. Das Zuchtaquarium für Fp. sjoestedti
sollte schon eine Kantenlänge von 40cm und ein Fassungsvermögen
von rund 20 L haben.
Zur Zuchtvorbereitung werden die Geschlechter getrennt und
insbesondere die Weibchen reichlich mit kräftiger Nahrung versorgt.
Gut genährte Fp. sjoestedti-Weibchen sind für eine erfolgreiche
Zucht sehr wichtig. Nach ein bis zwei Wochen Trennung werden die
Damen gut Laich angesetzt haben, was an ihrem größeren
Bauchumfang leicht erkennbar ist. Als Ablaichmedium wird in das
Zuchtbecken eine ein bis zwei cm hohe Schicht aus gut ausgespültem
 Torfmull eingebracht. Sobald sich der Torf gesetzt hat und das
Wasser wieder klar ist, können die Zuchtfische eingesetzt werden.
Gleich nach der Eingewöhnung können die ersten Paarungen
beobachtet werden. Nun ist eine regelmößige Kontrolle vonnöten.
Sobald festgestellt wird, dass trotz Fütterung die Bäuche der
Weibchen flach bleiben, ist ihr Eiervorrat erschöpft und sie müssen von
 den Männchen getrennt werden. Dies kann individuell unterschiedlich
nach ein bis zwei Tagen oder erst nach einer Woche der Fall sein.
Um eine größere Anzahl von Jungfischen zu erzielen, können nach einem
Wasserwechsel im Zuchtaquarium dem Männchen neue ausgeruhte
Weibchen zugeführt werden. Aber bitte Vorsicht, Fp. sjoestedti kann
recht fruchtbar sein und eine stattliche Anzahl Nachkommen zeugen.
Diese benötigen natürlich eine entprechende Menge Futter und
größere Aufzuchtbecken.
 Wenn alles normal abläuft wird der Zuchtansatz nach einer Woche
beendet und die Fische wieder ins Hälterungsbecken zurückgesetzt.
Der Torf mit den Laichkörnern kann nun, wie schon oft beschrieben,
 abgegossen und auf einer dicken Lage Zeitungspapier
angetrocknet werden. Zur Lagerung kommt der Eiertorf dann in einen
verscließbaren Kunststoffbehälter. Dieser wird nun mit dem Datum des
Trockenlegens und dem voraussichtlichen Aufgusstermin beschriftet.
Von Zeit zu Zeit kann der Behälter geöffnet und der Torf
durchgeschüttelt werden: Die Sauerstoffzufuhr fördert die
Embryonalentwicklung in den Laichkörnern.
Nach rund acht Wochen Lagerung sollte der Torfansatz dann aufgegossen
werden. Hierzu wird der Ansatz in den Zuchtbehälter gegeben und
mit kühlem Frischwasser etwa 10 bis 15 cm hoch übergossen.
 Zum Schlupf benötigen die kleinen Fp. sjoestedti meist länger als
andere große Arten. Wenn der Aufguss abends erfolgt, können am
nächsten Morgen die jetzt frei schwimmenden Jungfische das erste Mal
mit Artemia-Nauplien oder Microwürmchen gefüttert werden.
Nach zwei Tagen sollten die Babys mit einem Luftschlauch
abgesaugt oder über eine Ecke des Beckens abgeschüttet und in
einen Behälter mit teilweise frischem Wasser umgesetzt werden.
Die Entwicklung der Embryonen in den Eiern ist selten
gleichmäßig, so dass sich im Torf weitere, noch nicht
schlupffähige Eier befinden. Also wird der verbliebene Torf wieder
trockengelegt und bis zum neuen Aufguss, etwa vier Wochen später,
erneut gelagert. Das Ganze kann zwei- oder dreimal wiederholt
werden. In der Regel schlüpfen bei jedem Aufguss Junge. Sollten
einmal bei einem Versuch keine Fische schlüpfen, ist dies kein Grund
den Torf in den Müll zu werfen. Bei späteren Versuchen werden
sicher wieder einige Fischlein da sein.
Bei regelmäßiger und ausreichender Fütterung ist das Wachstum dieser
Art sehr zügig. Nach zwei Wochen können bereits ausgesiebte
Wasserflöhe und Zyklops gefüttert werden. Dem Wachstum der
Jungfische angepasst muss immer gröberes Futter gereicht werden.
Im Alter von drei Monaten ist Fp. sjoestedti bereits
geschlechtsreif. Bis die Männchen aber ihre herrlich lang
ausgezipfelten Flossen zeigen, vergeht allerdings fast ein ganzes Jahr.”

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